Donnerstag, 30. November 2006

SENDEPAUSE

Hallo Franz, ich mach mal Sendepause!
Habe einen ganzen Stapel Klausuren zu korrigieren und meine beiden Hausarbeiten schreien auch schon nach Aufmerksamkeit! Naja, und Freitag geht's ja schon ab zum Zwischentreffen Richtung Riga...
Ich weiß gar nicht, was ich so lange ohne Dich machen soll, hab mich schon so an Deine Abstürze gewöhnt :-)


Also bis auf weiteres Sendepause! Finito! Nix zu sehen hier, kapiert?

Samstag, 25. November 2006

Das Wunder von Pécs

Liebes Tagebuch,

es bleibt Herbst in Pécs. Die Temperaturen liegen bei gut 20 Grad und das Semester neigt sich dem Ende zu - es ist die Zeit gekommen, die Ernte einzufahren. Die Klausuren im Verfassungsrecht, Bürgerlichen Recht und Landeskunde sind schon geschrieben, Sachenrecht folgt am Montag.

Über die Juristen habe ich mich schon ganz schön gefreut. Deutsche Falllösungsmethodik, Gutachtenstil und Abstraktionsprinzip scheinen nun endlich zu sitzen. Wir haben uns die ersten Wochen so schwer damit getan, und jetzt formulieren sie schließlich doch noch einwandfrei.
Am meisten Freude habe ich bei der Bewertung "Prima Arbeit, glatte 5" ( was hier allerdings die Bestnote ist )!

Der Hammer ist allerdings mein Landeskundekurs bei den Germanisten! Ich habe mich am Anfang so oft über sie und ihre mangelhaften Fähigkeiten geärgert, dass ich sie schon abgeschrieben hatte. Und siehe da, kaum sind Politik, Geschichte und Soziales abgehakt, tauen sie langsam auf.

Sie sprechen von Woche zu Woche deutlich besser, was kein Wunder ist, denn sie haben jeden Tag Aussprache-, Grammatik- und Konversationskurse. Seit drei Wochen sitzen wir nur noch im Kreis, malen Plakate und diskutieren über alle möglichen Themen anhand von Fotopostkarten, die ich in Massen aus dem Internet ziehe.

Und dann werden sie ganz zutraulich, erzählen Dir von ihren Wünschen, Zukunftsplänen, Träumen, und Du hast das Gefühl, ihnen ganz nahe zu sein. Die großen, verängstigten Augen aus ihren ersten Wochen in der neuen Welt der Universität sind verschwunden, sie werden souveräner, frecher und diskussionsfreudiger.

Das ändert nichts daran, dass ein großer Teil von ihnen es nicht einmal zur Grundprüfung schaffen wird. Ihre guten Dorfschulabschlüsse haben ihnen oft nur die Illusion eines Hochschulabschlusses vermittelt. Das ungarische Hochschulsystem wird sie nicht fragen, ob sie Texte erörtern oder interpretieren können, es wird sie eiskalt an den Sprachprüfungen messen.

Ich begnüge mich damit, dass sie doch noch etwas aus meinem Unterricht mitgenommen haben, was folgende Beispiele aus den Klausuren hinreichend belegen:

1. zu den alliierten Besatzungszonen gehören:
"Ostdeutschland, Norddeutschland und Ruhrgebiet", was an sich ja gar nicht mal so falsch ist... :-)

2. zu den Staatsstrukturen gehören:

a) Republik, "weil das Parlament mehrere Präsidenten hat und das Staatsoberhaupt heißt Wilhelm Pieck" :-)

b) Sozialstaat, "weil sie versuchen, die soziale Unterschiede zu vergleichen" :-)

3. Unser Grundgesetz, das 1989 ausgegeben wurde

4. "Dieses Planwirtschaft ist, wenn Russland entscheidet, was man und wieviel man davon produzieren darf" ( und ich den stillen Vorwurf herauslas, warum ich UNGARISCHE Studenten im DEUTSCHEN Landeskundkurs mit SO ETWAS behelligen müsse :-)

5. Das so genannte Wirtschaftswunder:

a) "Alle Menschen lebten gleich. Jeder hatte Standheizung, es wurden Hochhäuser gebaut, Autos wurden gebaut, mehr Bahnen wurden gebaut. Aber die Menschen wollten noch mehr, aber das konnten sie nicht durchführen"

b) "Die Menschen bekommen Bäuche und sie machen Toskana - Urlaub".

6. Warum man Deutschland ein multikulturelles Land nennen kann?

Klar: "Deutschland ist ein sich schnell entwickeltes Land. Es hat sehr viele Großstädte, die die ganze Welt kennt. Es hat kulturelle Städte. Wie zum Beispiel das Ruhrgebiet was man zur kulturellen Stadt gemacht hat"

oder:"Die Kulturei ist entwickelt. In Deutschland gibt es viele Sehenswürdigkeiten. Z.Beispiel: Opernhaus, Schauspielhaus, Kulturhaus, viele Hochschule und Universität, z.B. Hochschule für Musik usw. viele Museum. Berühmt auch: Lübecker Marzipan. Viele berühmte Kirche." :-)

7. Eine der wichtigsten Einwanderungsphasen nach Deutschland war sicherlich die berühmte Imigrationswelle "der europäischen Studenten in den 70er"-Jahren. :-) Oder war es die der Russen in den 60ern während des Wirtschaftswunders?

8. Warum Deutschland nach wie vor Einwanderer braucht, ist auch glasklar: "Die Gastarbeiter arbeiten billiger als die deutschen; wenn zum Beispiel türken einwanderern, dann wird es mehr türken in einer Stadt oder strasse geben, und sie werden sich nicht fremd fühlen, und sie werden immer türken anlocken" :-)

"Sie arbeiten in Dl. aber sie bekommen keinen Versicherung und Renten
-> deshalb sind sie für Staat gut"

Ich gebe zu, dass dies sehr gemein ist, denn eigentlich habe ich nur noch drei schwarze Schafe, die mir Kopf- und Bauchmuskelzerbrechen bereiten... Insgesamt habe ich viele gute und sehr gute Arbeiten korrigieren dürfen, ich wundere mich nur manchmal, wie einige es schaffen, so wenige ( und dann noch solch falsche ) Informationen aus 90 Minuten Unterricht herauszuziehen.

Insgesamt aber die Erkenntnis: Mein Landeskundekurs, er lebt ( und lebe )!

Hurra!

Mittwoch, 22. November 2006

Großes Theater

Hallo Franz,

ich bin zurück aus Kroatien!!! Wir hatten eine sehr schöne, aber auch ziemlich anstrengende Zeit, sozusagen Spaß im Chaos!

Es fing schon etwas stressig an, unser Busfahrer glaubte nämlich tatsächlich, dass er es innerhalb von nur 3 Stunden nach Osijek ( pardon, für uns Ungarn natürlich unser gutes altes Eszek:-) ) und wieder zurück schaffen würde. Naja, als wir ihm dann verklickerten, dass wir noch bei mir die Requisiten und bei der Fakultät Fábián und Anitá aufsammeln müssten, brummelte er ganz schön für den Rest der Fahrt.

Osijek und Pécs sind nicht wirklich weit voneinander entfernt
( vielleicht 60 km ), aufgrund der Geschichte aber nicht mehr miteinander verbunden. Mit dem Zug braucht man ungefähr 5 Stunden
( mit Umsteigen in Káposvár und was weiß ich ), mit dem Auto nur 2 Stunden, wenn man den Grenzübergang im Süden wählt und auf kroatischer Seite wieder gen Norden fährt.

Dass wir durch diesen Grenzübergang nicht durchkamen, lag dann allerdings an unserem Busfahrer - unser Bus war nämlich gar nicht versichert :-) Die Grenzer fragten nach dem verantwortlichen Reiseleiter und nahmen mir diese Rolle nicht ganz ab.

Ich versuchte zwar noch, möglichst ernst und würdevoll rüberzukommen, scheiterte damit aber kläglich ob der Bier- und Pálinkarationen, mit denen mich meine Gruppe seit 11 Uhr morgens abgefüllt hatte. Ich glaube, wir haben es letztlich mit Bestechung geschafft, auf jeden Fall rasten wir danach wie die Irren die Buckelpisten Kroatiens hinauf!

Osijek ist eine sehr schöne, wenn auch kleine Stadt, an deren Altstadtfassaden der Bürgerkrieg noch deutlich zu erkennen ist. Wir selbst waren in einem Jesuitenkloster gegenüber dem Gefängnis untergebracht, zusammen mit der Theatergruppe aus Novi Sad ( Serbien ), die das Pech hatte, dass just an diesem Wochenende dem Massaker von Vukovar vor 15 Jahren gedacht wurde. Sie trauten sich nicht so recht auf die Strasse.

Aus diesem Grund war auch die Gastgebergruppe zunächst ziemlich zurückhaltend - erst abends sangen Kroaten und Serben vereint zur Balkanmusik.

Wie sooft spürte ich, wie sehr die Ungarn auf sich fixiert sind, immer sprachlich und kulturell abgeschnitten vom Rest Südeuropas. Das schweißt sie ganz schön zusammen. Wenn ich mich mal für eine halbe Stunde entferne, um meine Ruhe zu haben, kommen sie alle nacheinander an - warum ich nicht bei ihnen sei, ob es mir nicht gut ginge.

Ich genieße die Zeit mit ihnen, und sie sind mir allesamt an's Herz gewachsen - meine Rolle aber habe ich noch nicht ganz gefunden.
Manchmal würde ich gerne wieder der 21-jährige Student sein und unbeschwert die Reise genießen, mit ihnen feiern, mit ihnen trinken - ich bin es aber nicht, und eigentlich auch ganz froh drum. Wenn die Ungarn noch um sechs Uhr morgens lauthals auf dem Gang sitzen und singen, ärgere ich mich einfach, weil ich wieder der Gruppenleiter bin, der sie ermahnen muss.

Und wenn ich schimpfe, sind sie alle ganz still und verschreckt - sie sind wie kleine Kinder, die Dich mit großen Augen anschauen.

Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo sie Dich nachts von oben bis unten mit Rasierschaum einsprühen....

Als somit eingeweihtes echtes Mitglied der Theatergruppe, durfte ich am Samstag bei der Aufführung den Ton und das Licht versauen, was aber auch daran lag, dass der besoffene Techniker die ganze Zeit telefonierte und wir keine gemeinsame Sprache hatten. Wenigstens der Duell - Schuss klappte und das Publikum war begeistert!

Den Rest des Wochenendes verbrachten wir bei 25 Grad beim Picknick am Ufer des Flusses, der da so lang fließt. Das tolle an den Ungarn ist, dass sich keiner ( weder Mädchen noch Jungs ) zu fein ist, sich fette Wurst, Ölsardinen oder rohe Zwiebeln aus Gläsern zu angeln und genussvoll in seinen Mund zu stopfen!

Die Selbstverständlichkeit, mit der sie in so vieler Hinsicht ihre Bräuche pflegen, ohne sich zu fragen, ob das cool ist oder nicht, ist wirklich beneidenswert.

Und so ging ein sehr schönes Wochenende zu Ende, auch wenn ich noch eine vierte schlaflose Nacht zwecks Unterrichtsvorbereitung ranhängen musste.

Schlaf gut, meines liebes Tagebuch, ich hab Dich lieb.

Freitag, 10. November 2006

Meine erste Klausur...

Liebes Franz,

heute schreibe ich Dir, wie so ein ganz "typischer" Tag bei mir aussieht!

Naja, er beginnt eigentlich ziemlich unspektakuär, denn nachts schlafe ich für gewöhnlich...

Nicht jedoch heute! Ich habe noch bis halb drei Uhr morgens an meinen Unterrichtsvorbereitungen gesessen, denn ich schreibe in meinem Verfassungsrechtskurs die Abschlussklausur ( ich nenne sie mal konkretes Normenkontrollverfahren ), und wir wollen gleich im Anschluss mit Bürgerlichem Recht beginnen.

Ich bin wahrscheinlich nervöser als die Studenten selbst und schlafe nicht sehr gut.

Nichtsdestotrotz klingelt mein Handywecker pünktlich um halb zehn. Ich stapfe zur Dusche, stecke mir 2 Reggelt - Kekse in den Mund und eine köstliche Zitronenbrausepulvertablette in ein Glas Wasser. Dann schnapp ich mir mein Fahrrad und radel bergauf Richtung Philosophische Fakultät.

Dort habe ich mitwochs ab 10 Uhr Sprechstunde. Naja, eigentlich eher Ruhestunde, denn bisher hat sich noch nie ein Student zu mir verirrt. Ich teile mir aber das Büro mit drei sehr netten Kollegen und wir packen alle unsere Reggelt - Kekse aus und ich schlürfe noch ein Glas Zitronenbrause. Unser Büro ist total gemütlich, mit Sesseln aus den 70ern, sehr vielen Pflanzen und noch mehr Büchern, die in hohen Stapeln überall wild verteilt liegen.

Lehel und Erika unterrichten beide Literatur und ihre Studenten bilden oft Warteschlangen vor unserer Tür.

Nicht so bei mir.

Wenn ihre Studenten neugierig rüberblicken, was der neue Boschlektor so macht, dann kaue ich etwas leiser meine Kekse weiter und versuche, möglichst vielbeschäftigt in meine 4 Wochen alten Unterlagen zu starren.

Dann schaue ich noch kurz in der Bibliothek vorbei, ob mein Handapparat am gewohnten Platz steht. Er tut es.

Um halb zwölf komme ich dann aber richtig in Fahrt. Ich fahre zurück nach Hause, schnappe mir schnell meine Unterlagen und radel ( diesmal bergabwärts ) weiter an das andere Ende der Stadt, wo die Juristische Fakultät liegt.

Ich bin wie immer ziemlich spät dran, gehe direkt in mein Büro, dritter Stock, Zimmer 328. Ich drücke flüchtig meiner sehr lieben ( französischen )Kollegin Anne zwei bisous auf die Wangen, dann kopiere ich schnell meine Klausuren und Arbeitspapiere. Pünktlich um halb eins mache ich mich auf in Richtung Hörsaal.

Mittwochs unterrichte ich immer im großen Hörsaal - das ist ein bißchen lächerlich, weil wir nur zwölf Leute sind. Aber seitdem mir meine Studenten nach 7 ( ! ) Wochen mitgeteilt haben, dass mein Kurs laut ( ungarischem ) Vorlesungsverzeichnis eine "Vorlesung" ist, wundert mich gar nichts.

Vor dem Hörsaal erwische ich Zsofiá dabei, wie sie noch eiligst ein paar Anmerkungen in ihr Grundgesetz kritzelt. Das macht aber erstmal gar nichts, denn just in der Minute, in der ich die Sachverhalte austeile ertönt ein ziemlich häßliches Geräusch von draußen.

Ich habe einige Mühen, meine Studenten davon zu überzeugen, dass wir wohl Feueralarm haben und dass es vielleicht besser sei, das Gebäude zu räumen.

Die nächsten 5 Minuten verbringen wir wie alle anderen im Foyer und warten bis jemand die Notausgänge öffnet - sie sind nämlich verschlossen! Draußen führe ich meine Schutzbefohlenen weg vom Pulk auf den Campus. Ich möchte, dass wir zusammenbleiben - mein Fürsorgegefühl rührt auch daher, dass die Studenten die Klausur noch in der Hand halten und zu tuscheln beginnen.

Sie sind überhaupt etwas nervös. Die Aufgaben hätten wir so im Unterricht gar nicht behandelt. Ich sage ihnen, dass sie absolut Recht haben ( komischerweise macht sie das nur umso nervöser ), dass sie aber anhand des erlernten Wissens imstande sein müssten, alle Antworten selbst herzuleiten.

Jetzt bin ich ein bißchen angespannt. Vorsichtshalber erkäre ich ihnen mit anschaulichen Gesten, wie Legitimationsketten aufgebaut sind. Für die Umherstehenden muss dies ein Bild aus dem "Club der toten Dichter" abgeben. Da steht der német jogi szaklektor mit ausufernden Armen wie ein Fels in der Brandung, während um ihn herum alles in Schutt und Asche versinkt. Allein seine Studenten stehen im Halbkreis um ihn herum und hängen noch in der Stunde ihres Todes unbeirrt und wissbegierig an seinen Lippen.

Keine 10 Minuten später trotten wir allerdings ernüchtert zum Saal zurück und schreiben die Klausur.

Ich korrigiere in der Zwischenzeit meine ersten Tests aus dem Sachenrechtskurs mit schwarzer Tinte - Anfängerfehler...

Nach 40 Minuten sammle ich die Klausuren ein und wir widmen uns direkt dem Bürgerlichen Recht, Allgemeiner Teil. Hier muss ich erfahren, dass 2/3 der Studenten noch niemals Bürgerliches Recht ( auf ungarisch ) gehört haben, weil es seit letztem Jahr erst im 4. Studienjahr unterrichtet werde. Diesmal werde ich nervös und ich ahne schon, dass mich das eine lange Arbeitsnacht kosten wird...

Mit einem letzten Aufbeugen lasse ich noch abstimmen, ob ich nicht den Rest des Semesters dann besser Strafrecht unterrichten solle - aber das Plenum entscheidet, dass ich die geeignete Person sei, ihnen sämtliche Basics zum Lösen von Zivilrechtsfällen beizubringen. Meine Nachtschicht wird damit zur Gewissheit!

Etwas gefrustet gehe ich aus dem Unterricht heraus, wieder zurück zum Büro. Anne fragt mich, ob dieser Alarm echt gewesen sei, sie hätte nicht sehr viel mitbekommen, weil irgendjemand die Tür zu unserem Gang einfach abgeschlossen hätte :-)

Dann tritt noch Laszlo ein und shakert mit Anne ( "Ponnnjuur" ). Er ist wirklich sehr, sehr knuffig - schon länger im Ruhestand, unterrichtet aber noch zwei Juristendeutschkurse, um sich seine Rente aufzubessern. Leider ist er extrem schwerhörig und so ist ein vernünftiges Gespräch mit ihm nicht möglich.

Ich kopiere noch schnell zwei Songtexte für meinen morgigen Landeskundekurs, dann muss ich auch schon wieder weiter - bergauf zurück zur Philosophischen Fakultät.

Hier probt meine Theatergruppe heute außerplanmäßig. Wir nehmen nächste Woche an einem Theaterfestival in Osijek ( Kroatien ) teil, und die Texte sitzen noch nicht. Leider ist Csaba [ sprich: Tschoabboa ] irgendwo auf Kreta verschollen und so muss ich wohl kurzfristig in die Rolle des Saint Ouen [ bei uns allerdings Santon, alles andere war für ungarische Zungen nicht aussprechbar ] schlüpfen.

Ich gestehe sofort, dass ich nicht imstande bin, nur irgendetwas von dem, was ich an ihrem Schauspiel bis dato kritisiert hatte, auch nur im Anfluge besser hinzubekommen.

Dann muss ich feststellen, dass ausgerechnet Santon das intrigante, böse Schwein ist, das am Ende des Stückes ( zu Recht ) umgebracht wird. Mangels Degens nicht einmal im Rahmen eines ausgewogenen Duells, sondern ohne jegliche Gegenwehr per Bauch- und ( zur Sicherheit ) Kopfnachschuss.

Diese Umstände tragen nicht gerade dazu bei, meine darauf folgende dreistündige Bühnenperformance im Ansatze erträglicher zu machen.

Später fragt Dóri, ob ich noch Lust habe, auf ein Konzert mitzukommen. In einem Studentenclub wollten sie zu transsylvanischer Musik tanzen gehen.

Ich schüttle traurig den Kopf und denke an meinen morgigen BGB-und Landeskundekurs.

Im Sommer bin ich auf die glorreiche Idee gekommen, dass ich ( !!! ) doch in Unterrichtseinheit 9 den ( Germanistik!!! ) Studenten etwas über das aktuelle Literatur- und Kunstgeschehen in Deutschland vermitteln könne.

Und so sitze ich noch bis 4 Uhr morgens am PC und bastel Fotopostkarten zu zeitgenössischer Kunst und Architektur... wie schön!

Samstag, 4. November 2006

Aus dem Unterricht

Mein liebes Ferenc,

heute schreibe ich Dir die besten Sprüche aus dem Unterricht...

Das sind so viele ( kluge wie auch dumme ), dass ich sie mir gar nicht alle merken kann. Der absolute Topfavorit ist wie immer aus dem Landeskundeunterricht als Eszter 2 zum Thema politisches System in Deutschland meint: " Philipp, wir sind doch Germanistikstudenten, wir müssen nicht wissen, was Demokratie ist..." ( und sie wissen es auch wirklich nicht ) Ich lach mich tot, auch wenn ich damals geweint habe...

Oder zum Widerstandsrecht der Deutschen ( Art 20 IV GG ), wo Zoltán 3 meint, jeder Deutsche dürfe die Regierung stürzen, wenn sie ein verfassungswidriges Gesetze erließe...Ich dachte nur an die vielen dann an mir vorbeigegangenen Chancen.... :-)

Toll fand ich auch, dass Tamás letzten Montag freiwillig vorgeschlagen hat, ob der Kurs nicht einen Test schreiben soll, damit ich sehen kann, dass sie etwas gelernt haben. Ich war echt platt ( solche Streber ). Na warte, bis die den Test sehen..:-)

Ansonsten sind die Studenten ganz toll - sie sprechen nicht nur irre gut deutsch, sie sind auch total aufmerksam und arbeiten immer mit ( naja, vielleicht nicht ganz so doll bei Landekunde ) - aber wer will es ihnen verdenken, ich war ja auch nicht gerade der motivierteste Student...

Ich glaube nicht, dass meine Kurse ganz einfach sind - wir haben aber auf jeden Fall auch eine Menge Spaß im Unterricht...

... aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal weitererzählt werden. Ich mach mich jetzt mal ausgehfertig! Gute Nacht, liebes Tagebuch, Dein Philipp

Donnerstag, 2. November 2006

in der Post

Musste leider mal wieder zur Post, einen dicken Brief abgeben.
Also ab in den Schreibwarenladen, braunen DIN A4 Umschlag kaufen und weiter zum Postgebäude - riesiger Palast aus der Gründerzeit. Problem: 30 Schalter und zentrale Wartenummernvergabe eingeteilt nach 10 Kategorien. Ich versteh natürlich nicht ein Wort und beobachte erstmal. Und beobachte weiter, und beobachte noch ein bißchen... Naja, stell mich schließlich ohne Nummer an einen Schalter, an dem die Leute zumindest Briefe abgeben und grinse freundlich. Die Beamtin ist sehr nett und redet eifrig auf mich ein. Ich grinse weiterhin freundlich und sage fleißig mein NEM TU DOM auf, was so ungefähr eine Mischung aus Verzweiflung und ICH WEIß NICHT zum Ausdruck bringt.
Die Kassiererin spricht allerdings englisch und vrsucht es zweimal
mit dramatischer Stimme: Prroblemm, Prroblemm! Dann geht sie einfach weg, mit meinem Brief... Im backstage hört man eine aufgeregte Diskussion, meine Postbeamtin streitet sich mit jemanden, dann guckt ein Kopf hervor und mustert mich. Ich denke schon, dass ich vielleicht doch am falschen Schalter bin oder mit hätte eine Wartemarke ziehen sollen... Nach ungefähr 10 ( ! ) Minuten kommt die Frau zurück und gibt mir einen WEIßEN DIN A4 Umschlag zurück und gibt mir zu verstehen, ich solle meinen braunen Umschlag darein tun. Ich tue natürlich wie mir geheißen und mache mich schnell aus dem Staub.
Warum es allerdings in den Schreibwarenläden nur braune Umschläge zu kaufen gibt, ist mir völlig rätselhaft....

Sonntag, 22. Oktober 2006

...

RÜCKBLICK

Mitte August bin ich nach Ungarn gezogen, in eine kleine niedliche Stadt im Süden Transdanubiens - Pécs [peetsch].
Ich werde hier die nächsten 1 - 2 Jahre deutsches Recht und Landeskunde an der Uni unterrichten.

Ungarn ist ein komisches Land - mit seiner traumhaft schönen Hügellandschaft im Südwesten und den flachen Puszta ( Heide-) Landschaften im Osten des Landes liegt es quer zum Rest der Europäischen Union, wie schon so oft in seiner Geschichte.

Die Pracht der Städte, der Geschäfte und Produktpaletten steht im krassen Gegensatz zu dem Einkommen der Menschen. Die Sprache ist eine befremdende Melodie aus für Europäer unlogischen Grammatikkonstruktionen. Standhaft weigern sich die Ungarn, internationale Wörter wie airport oder station zu verstehen und so kann man in Geschäften, auf Bahnhöfen und Flughäfen wirklich verzweifeln...

Und dann fährst Du am Wochenende raus auf's Land und da findet eine Hochzeit statt ( wie jedes Wochenende, egal in welchem Dorf ). Und da stehen die Jungs in Trachten (ähnlich den Zimmermannsleuten auf der Walz ) und die Mädchen im Kleid. Und sie tanzen und tanzen und singen und singen in eben dieser unverständlichen Sprache mit diesen fremden schönen und klagenden Melodien, auf Instrumenten die es bei uns seit Jahrhunderten nicht mehr gibt. Und sie singen ALLE und sie spielen ALLE und sie tanzen ALLE. Und du willst einfach nur bei ihnen bleiben, Du könntest heulen vor Glück in diesem seltsamen Land.

Samstag, 21. Oktober 2006

...

So, mein liebes Tagebuch! Da bin ich also und sitze wortlos vor Dir. Man hat Dich nicht gefragt, ob Du bei mir leben möchtest -
und ich selbst habe mir diese Entscheidung auch nicht gerade einfach gemacht. Meine letzte Beziehung zu einem Tagebuch liegt ziemlich exakt 7 Jahre zurück und unser Glück währte damals ganze 3 Wochen.... Ich bin aus der Übung, weiß mit einem so jungen, so jungfräulichen Ding wie Dir nicht viel anzufangen!
Lass uns diesmal alles andersmachen, lass uns versuchen, so gut es geht miteinander klarzukommen. Ich werde Dich nicht allzu oft berühren,aber die Male, wo ich Dich berühre, wirst Du ergeben daliegen - nur für mich da sein, mir alle Aufmerksamkeit schenken. Dein Name soll sein...hmm... - Ferenc, so heißt hier sowieso jeder zweite, und ein bißchen deutsch klingt es auch:-)

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